Betreuungsverein Cloppenburg meistert Jahr für Jahr Herausforderungen/Wunsch nach mehr Helfern
Foto: Wilfried Abheiden, Geschäftsführer des Betreuungsvereins Cloppenburg, ist stolz auf sein Team um Jennifer Maaß.
Carsten Jentzsch
Cloppenburg Ein Leben, das von jetzt auf gleich aus den Fugen gerät: Wilfried Abheiden erinnert sich insbesondere an einen Mann, der mit Schlaganfall ins Krankenhaus gekommen ist. „Zurück blieb ein Stall voller Kühe und Kälber, die versorgt werden mussten”, erzählt der Geschäftsführer des Betreuungsvereins Cloppenburg.
Ein bürokratischer wie organisatorischer Aufwand. Doch zusammen mit der Landwirtschaftskammer und Netzwerkpartnern habe der Verein die Herausforderung reibungslos gestemmt.
Es sind berührende Geschichten von menschlichen Schicksalen, aber auch komplexe Bürokratie-Kapitel, mit denen die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer des Vereins regelmäßig konfrontiert werden.
Und der Bedarf wächst rasant. Mit fünf Betreuungen habe der Verein 2019 begonnen, so Abheiden. Inzwischen liegt der Wert bei 256.
Kaum oder sehr begrenzte Zeitfenster
Als Gründe hierfür nennt er den demografischen Wandel und eine Zunahme an Singlehaushalten. Im Landkreis Cloppenburg werden derzeit mehr als 2000 Menschen rechtlich betreut. Im Gespräch mit den OM-Medien wurde vor Kurzem vonseiten des Kreises auf eine aktuelle Prognose hingewiesen. Demnach soll sich die Zahl der 75-Jährigen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Zudem gebe es viele Betreuer, die über 60 Jahre alt sind, Nachwuchs fehle.
Im Betreuungsverein wird das Alter der Ehrenamtler zwischen 50 und 70 Jahre geschätzt. Es handle sich um Menschen mit Lebenserfahrung, so Abheiden. Aber auch um Menschen mit Zeit, wie Vereinsbetreuerin Jennifer Maaß ergänzt. Maaß, die zusammen mit Kollegin Sabrina Kleene für die Öffentlichkeits- und Querschnittsarbeit zuständig ist, weist darauf hin, dass die darunterliegenden Altersklassen durch Familie und Arbeit kaum oder nur sehr begrenzte Zeitfenster hätten.
Über seine verantwortungsvollen Helfer im Ehrenamt kann der Verein in der Osterstraße sehr froh sein. Zumal aufgrund der Zunahme an Fällen immer mehr auch ins Ehrenamt abgegeben werden müssten. Doch der Geschäftsführer betont: „Es sind einfach zu wenig.” Ist der Verein unter den aktuellen politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen denn in der Lage, einen möglichen Ansturm an Betreuungsfällen strukturell abzufangen?
Wenn der jährliche Anstieg kontinuierlich bei um die 50 bis 100 Fälle liege, sei das kein Problem. „Davon bin ich überzeugt.
Wenn es aber um die 300 Fälle sind, dann wird das eine riesige Herausforderung”, so der Geschäftsführer. Am meisten Sorgen bereitet ihm, dass die betreuten Menschen „wegen fehlender finanzieller Mittel” auf der Strecke bleiben könnten. Er kommt auf die Inflationsrate zu sprechen, die höher sei als die gestiegene Vergütung der hauptamtlich Tätigen.
Raumbedarf ist erst einmal gedeckt
Das Thema räumliche Kapazitäten sei mittelfristig gelöst, sagt Abheiden und verweist auf die im vergangenen Jahr zusätzlich bezogenen rund 155 Quadratmeter im dritten Obergeschoss. „Doch, wenn wir von etwa 400 Betreuungen in 2, 3 Jahren ausgehen, dann könnten wir ganz schön in die Bredouille kommen”, betont er und verweist dabei auf Zahlen des Landkreises. Man mache sich bereits über verschiedene Modelle wie etwa Office-Sharing Gedanken.
Auf sein Team ist Wilfried Abheiden mächtig stolz. Wenn er sich jedoch etwas wünschen dürfte, dann, dass die Betroffenen am Ende nicht auf der Strecke bleiben. Diesen Wunsch teilt auch Kollegin Jennifer Maaß. Und so wünscht man sich eben auch, den Verein, der sich neben Zuwendungen, Fördergeldern und Zuschüssen auch über Mitgliedsbeiträge (24 Euro im Jahr) finanziert, von fast 200 auf 300 Mitglieder zu bringen. „Ein Verein lebt von seinen Mitgliedern”, betont sie.
Der seit Juli 1993 eingetragene Verein wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geführt und getragen. Neben rund 200 Privatpersonen ist jede einzelne Kommune des Landkreises Cloppenburg festes Mitglied. Das operative Geschäft teilt sich in drei tragende Fachbereiche auf: Rechtliche Betreuung (Erwachsene), Vormundschaften (Kinder & Jugendliche) und Integrationsfachdienst.
Quelle: MT
OM-Medien GmbH & Co. KG